Eine junge Frau verwechselte während eines heftigen abendlichen Regensturms ihr Taxi und stieg versehentlich in das Auto der gefährlichsten Menschen der Stadt, aber sie konnte sich nicht einmal vorstellen, was ihr in dieser Nacht passieren würde.
Der Arbeitstag endete an diesem Abend viel später als gewöhnlich. Die junge Sekretärin Emma war beinahe die Einzige, die sich noch in dem riesigen Bürogebäude aufhielt.

Draußen grollte der Donner, und der heftige Regen setzte die Straßen derart unter Wasser, dass man nicht einmal mehr das Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite erkennen konnte.
Als Emma schließlich ihren Computer ausschaltete, war es fast zehn Uhr abends. Sie bestellte sich über eine App ein Taxi, zog ihren Mantel an und eilte zum Ausgang.
Die App zeigte ihr an, dass draußen bereits ein schwarzes Auto auf sie wartete. Genau in diesem Augenblick hielt vor dem Eingang ein luxuriöser Wagen in derselben Farbe.
Emma hielt sich ihre Tasche schützend über den Kopf, rannte durch den strömenden Regen und stieg hastig auf den Rücksitz.
— Guten Abend. Green Street, Hausnummer vierundzwanzig, sagte sie erschöpft, ohne den Fahrer auch nur anzusehen.
Der Mann am Steuer drehte langsam den Kopf und musterte die junge Frau mit einem merkwürdigen Blick im Rückspiegel.
— Sind Sie sicher, dass Sie in dieses Auto einsteigen wollten? fragte er.
— Ja, natürlich. Ich bin völlig erschöpft, also fahren Sie bitte etwas schneller.
Der Fahrer antwortete nicht. Er blieb einfach sitzen, als würde er noch auf jemanden warten.
Emma holte ihr Handy hervor und bemerkte erst jetzt, dass ihr tatsächliches Taxi auf der anderen Straßenseite angehalten hatte.
Sie wollte sich entschuldigen und aussteigen, doch genau in diesem Moment öffneten sich gleichzeitig beide hinteren Türen.
Zu ihrer Linken setzte sich ein junger blonder Mann neben sie, während rechts von ihr ein großer dunkelhaariger Mann in einem schwarzen T-Shirt Platz nahm.
Beide waren vom Regen völlig durchnässt, verhielten sich jedoch so ruhig, als wäre es vollkommen normal, eine fremde junge Frau in ihrem Auto vorzufinden.
Emma blickte zuerst zu dem einen, dann zu dem anderen.
Für einen Moment schien ihr Herz stillzustehen.
Sie erkannte die beiden Männer sofort.
Es waren die Moretti-Brüder — die einflussreichsten und zugleich gefährlichsten Männer der ganzen Stadt. Ihnen gehörten Bauunternehmen, Hotels, Restaurants und Dutzende teurer Immobilien. Emma selbst arbeitete als Sekretärin in einer ihrer Firmen.
Über die Brüder kursierten die schlimmsten Geschichten. Am meisten fürchteten die Menschen den älteren Bruder, Daniel Moretti.
Man erzählte sich, dass er Verrat niemals verzieh und jeden Menschen finden konnte, selbst wenn dieser sich am anderen Ende der Welt versteckte.
Der blonde Bruder Alex betrachtete das verängstigte Mädchen neugierig.
— Oh, und wer hat diese Schönheit in unserem Wagen zurückgelassen?

— Es tut mir leid, das war ein Versehen! sagte Emma hastig. — Ich habe Ihr Auto mit meinem Taxi verwechselt. Ich steige sofort aus.
Sie griff nach dem Türgriff, doch Alex machte keine Anstalten, zur Seite zu rücken. Auf der anderen Seite saß Daniel. Einen Weg nach draußen gab es nicht.
— Bitte lassen Sie mich gehen, flehte Emma mit zitternder Stimme. — Ich habe nichts gesehen, und ich werde niemandem erzählen, dass ich Ihnen begegnet bin.
Daniel sah sie lange und aufmerksam an.
Emma wurde immer unwohler.
Es war genau dieser kalte, undurchdringliche Blick, von dem die Leute erzählten, wenn sie das Pech gehabt hatten, Daniel Moretti persönlich zu begegnen.
Schließlich wandte er seinen Blick dem Fahrer zu.
— Fahr los.
Der Wagen setzte sich in Bewegung.
— Wohin bringen Sie mich? fragte Emma entsetzt.
Niemand antwortete.
Von Angst erfüllt verstand die junge Frau überhaupt nicht, was gerade geschah. Sie konnte nicht ahnen, wie diese Nacht für sie enden würde — und erst recht nicht, in was für eine gefährliche Welt sie durch diesen einen verhängnisvollen Irrtum gerade hineingeraten war.
Das Mädchen hielt ihr Handy fest umklammert, doch sie wagte es nicht, um Hilfe zu rufen.
Alex saß viel zu dicht neben ihr, während Daniel sie keinen Moment aus den Augen ließ. Hinter den Fenstern zogen dunkle, vom Regen überschwemmte Straßen vorbei.
— Ich bin wirklich nur aus Versehen hier eingestiegen, sagte Emma erneut. — Wenn Sie möchten, kann ich die Fahrt bezahlen. Bitte lassen Sie mich einfach gehen.
Plötzlich begann Alex zu lachen.
— Daniel, sie glaubt tatsächlich, wir hätten sie entführt.
— Haben Sie das etwa nicht? fragte das Mädchen ängstlich.
— Nein, antwortete der Dunkelhaarige ruhig. — Wir bringen dich nach Hause.
Emma erstarrte und blickte aus dem Fenster. Erst jetzt bemerkte sie, dass der Wagen tatsächlich in Richtung ihres Wohnviertels fuhr.
— Woher wissen Sie, wo ich wohne?
— Du hast dem Fahrer selbst deine Adresse genannt, als du eingestiegen bist, erinnerte Daniel sie.
Alex lächelte wieder, doch sein älterer Bruder sah das Mädchen weiterhin vollkommen ernst an. Es überraschte ihn, dass sie trotz ihrer Angst versuchte, ruhig zu bleiben und sogar bereit war, mit ihnen zu diskutieren.
— Arbeitest du in unserer Firma? fragte er.
Emma nickte.
— Ich bin Sekretärin in der Finanzabteilung.
— Warum bist du so spät noch unterwegs?
— Mein Vorgesetzter hat mir zusätzliche Arbeit gegeben.
Daniels Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich.
— Lässt er dich öfter bis spät in die Nacht allein im Büro bleiben?
— Manchmal.
Der Mann sagte nichts, doch Emma konnte seinem Blick entnehmen, dass ihrem Chef am nächsten Morgen ein äußerst unangenehmes Gespräch bevorstand.
Wenige Minuten später hielt der Wagen vor ihrem Haus. Der Fahrer stieg als Erster aus und öffnete die Tür.
Emma wollte schon schnell davonlaufen, doch Daniel nahm die Jacke, die neben ihm gelegen hatte, und reichte sie ihr.
— Draußen regnet es stark.
— Das ist wirklich nicht nötig. Ich bin gleich im Haus.
— Nimm sie, sagte er knapp in einem Ton, der keinen Widerspruch zuließ.
Emma legte sich die Jacke über die Schultern und stieg aus. Bevor sie die Tür schloss, drehte sie sich noch einmal um.
— Danke, dass Sie mich nach Hause gebracht haben.
— Beim nächsten Mal solltest du zuerst darauf achten, in wessen Auto du einsteigst, erwiderte Daniel.
Der Wagen fuhr davon, während Emma noch einige Sekunden unter dem Vordach stehen blieb. Sie ahnte nicht, dass Alex im Inneren des Autos seinen Bruder grinsend ansah.
— Versuch gar nicht erst zu behaupten, dass sie dir nicht gefallen hat. Ich habe ganz genau gesehen, wie du sie angesehen hast.
Daniel antwortete nicht. Er blickte einfach weiter durch die Heckscheibe, bis das Mädchen vollständig im Gebäude verschwunden war.
Am nächsten Morgen kam Emma mit der Jacke in den Händen zur Arbeit.
Eigentlich wollte sie sie beim Sicherheitsdienst abgeben, doch Daniels persönliche Assistentin wartete bereits in der Nähe des Eingangs auf sie.
— Herr Moretti möchte, dass Sie zu ihm nach oben kommen.
Emmas Knie wurden weich. Sie war überzeugt, dass man sie wegen ihres Fehlers vom Vorabend entlassen würde.
Als sie jedoch das riesige Büro im obersten Stockwerk betrat, stand Daniel am Fenster und hielt zwei Tassen Kaffee in den Händen.
— Sie wollten mich sprechen?
Der Mann drehte sich um und lächelte sie zum ersten Mal an.
— Ja. Ich wollte nur überprüfen, ob du mein Büro heute vielleicht auch mit einem anderen verwechselst.
Emma begriff, dass er scherzte, und musste ebenfalls lächeln.
Nach diesem Abend fand Daniel immer häufiger Gründe, in die Finanzabteilung hinunterzugehen.
Manchmal bat er Emma, ihm Unterlagen zu bringen, die genauso gut jeder andere Mitarbeiter hätte holen können.

Manchmal blieb er einfach an ihrem Schreibtisch stehen und fragte, ob sie bereits ein Taxi bestellt habe.
Einige Wochen später setzte in der Nähe des Bürogebäudes erneut starker Regen ein. Als Emma nach draußen trat, stand der vertraute schwarze Wagen bereits vor dem Eingang, und Daniel wartete daneben auf sie.
— Diesmal habe ich ganz sicher kein Taxi bestellt, sagte das Mädchen lächelnd.
— Ich weiß, erwiderte er und öffnete ihr die Tür. — Heute bin ich selbst gekommen, um dich abzuholen.
Emma wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wohin diese Fahrt sie führen würde.
Daniel hingegen hatte längst verstanden, dass die Fremde, die eines Abends versehentlich in das falsche Auto gestiegen war, sein Herz für immer erobert hatte.